Wir sind

ein Theaterkollektiv, das sich 2010 in München gegründet hat und seitdem Performances, Theaterstücke und Medienkunst in wechselnden Konstellationen entwickelt. Wir wurden auf den Bayerischen Theatertagen 2013 mit dem "Preis für ein herausragendes Theaterkollektiv" ausgezeichnet. Die Produktion Weltenbrand von Daphne Ebner und Tobias Ginsburg hat den Jugendstückepreis 2015 des Heidelberger Stückemarkts gewonnen.

Hier Christoph Leibolds Portrait von uns in der Theater der Zeit 12/2014:
http://www.theaterderzeit.de/2014/12/32044/


Team

* 1986 in München. Studierte Dramaturgie, Spanisch und Ethnologie an der Theaterakademie August Everding, der LMU München und der Universidad de Buenos Aires in Argentinien. Während des Studiums arbeitete sie als Regieassistentin und Abendspielleitung am Bayerischen Staatsschauspiel. Als freie Dramaturgin und Autorin arbeitete sie an der Theaterakademie, der Otto-Falckenberg-Schule und der Schauburg München. Die von ihr betreute Produktion „Schwarze Jungfrauen“ von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel gewann 2012 den Körber-Preis für junge Regie. Im Rahmen von Fake to Pretend schrieb sie zusammen mit Tobias Ginsburg das Stück „Weltenbrand" (ausgezeichnet mit dem JugendStückePreis des Heidelberger Stückemarkts 2015, nominiert für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2014) und führte Regie bei der Produktion „Malinche" (ausgezeichnet mit dem Jury-Preis bei den Bayerischen Theatertagen 2013). Seit Beginn der Spielzeit 2014/15 ist sie Schauspiel-Dramaturgin am Oldenburgischen Staatstheater, wo sie zusammen mit Benno Heisel und Simone Niehoff das Projekt „Utopoly“ realisierte.

* 1986 in Hamburg. Während seines Studiums der Dramaturgie, Literaturwissenschaft und Philosophie an der Theaterakademie August Everding und der LMU München begann er Theaterstücke zu schreiben und zu inszenieren.
Im Januar 2007 debütierte er als Autor und Regisseur mit „Vergewaltigt. Eine romantische Komödie“ auf der Studiobühne der LMU. Es folgten weitere Arbeiten in der freien Szene München, u. a. mit der Gruppe OKA im Rahmenprogramm des SpielArt-Festivals 2007 oder die Inszenierung von Alfred Jarrys „Ubu“ im Einstein Kultur (2008). Im Rahmen von Fake to Pretend schrieb und inszenierte er das dokumentarische Theaterstück „Nestbeschmutzung“ (2011), die Stückentwicklung „Endlich“ (2012), die Performance „Tabu“ (2012) und „Radikal. Monument der Verwesung“ (2014). Sein zusammen mit Daphne Ebner verfasstes Stück „Weltenbrand“ wurde 2014 für den Deutschen Jugendtheaterpreis nominiert und 2015 mit dem JugendStückePreis des Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet. Im Februar 2015 hatte sein Theaterstück „Goldland“ am Theater Augsburg Premiere.

*1983 in Erlangen. Studierte Dramaturgie, Neuere deutsche Literatur und Europäische Ethnologie an der LMU und der Theaterakademie August Everding in München. Zahlreiche Assistenzen, Regie- und Dramaturgiearbeiten, darunter am theater...undsofort, an der Theaterakademie, dem E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg, am Theater Ulm und dem Schauspiel Köln. Im Rahmen von Fake to Pretend entwickelte sie zusammen mit Tobias Ginsburg das dokumentarische Theaterprojekt „Nestbeschmutzung“ (2011) und war als Produktionsdramaturgin an Benno Heisels und Ulrich Eisenhofers Stück „Cassidy“ (2015) beteiligt. Sie forscht zum Thema "Das Interview als Form in Literatur, Performance und installativer Kunst" im Rahmen des Internationalen Promotionsprogramms Literaturwissenschaft (ProLit) und der DFG-Forschergruppe "Anfänge (in) der Moderne" an der LMU München. Sie ist Lehrbeauftragte am Institut für Theaterwissenschaft und seit 2013 stellvertretende Leiterin des Studiengangs Dramaturgie an der Theaterakademie August Everding. Ab 2016 ist sie Teil des künstlerischen Leitungsteams der freien Spielstätte HochX.

* 1986 in München. Studierte Dramaturgie, Neuere deutsche Literatur, Philosophie und Theaterwissenschaft an der LMU, der Theaterakademie August Everding in München und an der University of Leeds. Während des Studiums erste Inszenierungen ( „Zauberflöte“ 2006, „Othello“ 2008) und Produktionsdramaturgien. Für den Entwurf eines räumlich flexiblen Theaters gewann er den Architekturkonzeptwettbewerb „Ideal Theatre“ des United States Institutes for Theatre and Technology 2010 zusammen mit seinem Bruder Felix. Er arbeitete als Regieassistent und Hospitant am Bayerischen Staatsschauspiel. Im Rahmen von Fake to Pretend war er als Musiker und Darsteller („Malinche“ 2011, „Tabu“ 2012) und als Dramaturg („Radikal“ 2014) tätig. Er schrieb und inszenierte „Alienation“ (2012), „Artefakt“ (2014), realisierte zusammen mit Ulrich Eisenhofer „Die nötige Komödie“ (2013) und „Cassidy“ (2015) und war an der Konzeption der Performances „Die großen Utopien sind zurück!“ (2014) und „Utopoly“ (2015) beteiligt. Ab 2016 ist er Teil des künstlerischen Leitungsteams der freien Spielstätte HochX.

www.bennoheisel.de


*1986. Studierte Dramaturgie, Neuere deutsche Literatur und Philosophie an der LMU und der Theaterakademie August Everding in München. Zahlreiche Assistenzen und Produktionsdramaturgien, darunter am Kleinen Theater Landshut und der Theaterakademie August Everding („Der Schnitt“ von Marc Ravenhill, Regie: Malte Lachmann, 2009) und „Der Tod und das Mädchen“ von Ariel Dorfman (Regie: Till Wyler, 2010). 2008 arbeitete sie als Dramaturgin und Übersetzerin bei der freien Theaterproduktion „Ubu“ im Kulturzentrum Einstein in München, die sie mit gemeinsam Tobias Ginsburg initiierte. Im Rahmen von Fake to Pretend war sie an den Produktionen „Malinche“ (Konzeption, Text, Dramaturgie) und „Alienation“ (Dramaturgie) beteiligt und realisierte gemeinsam mit Benno Heisel und Daphne Ebner 2015 „Utopoly“ am Oldenburgischen Staatsschauspiel. Sie forscht im Rahmen des Internationalen Doktorandenkolleg MIMESIS zum Thema „Theatrale Interventionen. Subversive-mimetische Dramaturgien und agonale Öffentlichkeiten“ und lehrt am Institut für Theaterwissenschaft der LMU München.

Aktuelles

2016

Im Herbst 2016 eröffnet in der Entenbachstr.37 das HochX - Zentrum für Theater und Live Art in München. Ute Gröbel und Benno Heisel sind zusammen mit Ulrich Eisenhofer und Susanne Weinzierl Teil des Leitungsteams.

Tobias Ginsburg und Simone Niehoff arbeiten zusammen mit Sarah Israel, Taigue Ahmed und Matthias Renger an dem Theater- und Tanzstück „Du und ich und das Meer dazwischen“ (AT). Premiere ist im Mai 2016.

Tobias Ginsburg entwickelt 2016 im Rahmen einer mehrmonatigen Residency am Hanse-Wissenschaftskolleg ein Stück für das Staatsschauspiel Oldenburg.

Pressestimmen

Utopoly

von Daphne Ebner, Benno Heisel und Simone Niehoff

Utopoly ist ein interaktives Theaterspiel, das im Rahmen des Themenschwerpunktes „Postkollaps – gemeinsam weniger erreichen“ für Oldenburg entwickelt wurde. Als Forschungsprojekt an der Schnittstelle zwischen freier Szene, Staatstheater und Universität macht es alternative Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle des 21. Jahrhunderts spielerisch für das Publikum erfahrbar. Können wir den Klimawandel noch stoppen, das Finanzsystem reformieren, die Zukunft unserer Kinder garantieren und globale soziale Gerechtigkeit herstellen? Kurz gesagt: Ist die Welt noch zu retten? Es gibt Menschen, die daran glauben, die den Mut haben, Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit zu geben.
Unter Anleitung der Spielmacher von Fake to Pretend begibt sich das Oldenburgische Staatstheater in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg auf die Suche nach konkreten, zeitgenössischen Utopien. Wir prüfen Charter Cities, Postwachstumsgesellschaften, Seasteads, Sharing Economies, Regionalwährungen und andere Ansätze, die weltweit unter verschiedensten politischen Vorzeichen geplant und verwirklicht werden, auf ihre Zukunftsfähigkeit. Die vielversprechendsten beziehungsweise größenwahnsinnigsten dieser alternativen Gesellschaftsformen und Wirtschaftsmodelle machen wir für Sie zugänglich. Große Ideen allein können die Welt nicht verändern? Jeder große Wurf braucht viele kleine Schritte? Probieren Sie sie aus!

Eine Produktion des Staatsschauspiels Oldenburg in Kooperation mit den Studiengängen ,Kulturanalysen’ und ,Materielle Kultur: Textil’ der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Premiere Donnerstag, 03. Dezember 2015, um 20 Uhr in der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters
Weitere Vorstellungen: Sa 05., Sa 12. und So 13. Dezember

Regie und Konzept: Fake to Pretend (Benno Heisel, Simone Niehoff, Daphne Ebner)
Bühne und Kostüme: Gesine Geppert und Studierende der Universität Oldenburg
Musik: Pirmin Sedlmeir
Dramaturgie: Daphne Ebner
Video: Chris Fromm
Mit: Magdalena Höfner, Nientje Schwabe, Rajko Geith, Johannes Lange, Jens Ochlast, Klaas Schramm, Pirmin Sedlmeir und Studierenden der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Dass sich die Zuschauer so geistreich engagierten, lag auch am Ensemble des Staatstheaters. Von Vorteil ist dabei nicht nur die ansteckende Spielfreude aller Akteure, sondern auch die Bereitschaft, zu Improvisieren und auf jeden einzelnen Visionär zuzugehen. "Utopoly" ist mehr als ein Stück mit Zuschauerbeteiligung. Es ist ein Brückenschlag voller angenehmer Überraschungen zwischen Sitzplatz und Bühne, der nicht ganz einfache Inhalte spielerisch vermittelt. Das ist auch dringend notwendig. Schließlich gilt es, die Welt zu retten.
Denis Krick, NWZ

Und hier ein Radiobeitrag von Michael Laages auf Deutschlandradio Kultur: Utopoly

UTOPOLY - Ein Spiel mit möglichen Welten on Vimeo.


Kamera & Schnitt: Nina Becker



Die großen Utopien sind zurück!

Ein Projekt von Fake to Pretend und QUID PRO QUO

Wir laden ein zur Konferenz der Future Cities Laboratories und erlauben uns, einen Abend lang groß zu denken. Wir bauen schwimmende Staaten auf dem Meer und zeigen Ihnen, wie ein Mehr an persönlicher, politischer und wirtschaftlicher Freiheit verwirklicht werden kann. Wir konzipieren Start-Up-Städte für die Dritte Welt, die Bildung, Sicherheit und Wohlstand in verarmte und unterentwickelte Regionen bringen.
Sie meinen, die Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums seien erreicht? Vertrauen Sie uns: auch dafür haben wir Lösungen. Testen Sie mit uns große utopische Entwürfe auf ihre Zukunftsfähigkeit und investieren Sie in Projekte mit Strahlkraft. Glauben Sie an eine andere, eine bessere Welt. Sie ist nicht nur wünschenswert, sondern - vor allem - realisierbar.
Nach erfolgreichen Produktionen wie „Theatervisionen - ein Börsenspiel“ von Quid pro Quo und „Tabu - ein deutsches Gesellschaftsspiel“ von Fake to Pretend präsentieren die beiden Gruppen gemeinsam ein Rechercheprojekt zu gesellschaftspolitischen Utopien. Fakten und Fiktion, Spiel und Performance verbinden sich zu einem partizipativen Theatererlebnis: Spielen Sie mit!

Produziert in der Reihe EigenArten der Theaterakademie August Everding und gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Aufführung:2.6.2014, 20 Uhr

Black Box im Gasteig

Rosenheimer Straße 5, 81667 München

Konzeptionsteam und Leitung: Laura Guhl, Benno Heisel, Isabelle Kranabetter, Nikolaus Witty
Bühne: Tobias Fritz
Video: Dennis Zyche
Musik: Benedikt Brachtel
Moderation: Benno Heisel
Vertreter: Laura Guhl (Seasteading), Tizia Hilber (Postwachstumsgesellschaft), Nikolaus Witty (Charter Cities)
Agenten: Raphaela Bardutzky, Swetlana Boos, Stefanie Fischer, Stefan Herfurth, Clara Hinterberger, Simone Niehoff, Rose Reiter, Jasper Schagerl


Es sind drei von Größenwahn, sozialem Engagement oder nacktem Überlebenswillen motivierte Utopien, die das freie Wirklichkeitserforschungs- und Theaterkollektiv Fake to Pretend gemeinsam mit der Gruppe Quid pro Quo in der Blackbox des Gasteigs anzubieten haben. Was sich auf den sie repräsentierenden Plattformen und um sie herum ereignet, ist kein herkömmlicher Theaterabend, sondern ein vieldimensionales Gesellschaftsspiel, in dem man für seine Eintrittskarte individuelle Regeln und neue Identitäten ausgehändigt bekommt. Ein angenehm scheuklappenfreier Abend.
Sabine Leucht, Süddeutsche Zeitung


Unsere Video-Featurette findet sich auf https://vimeo.com/110588412.

Bei Interesse bitte das Passwort unter erfragen.

Artefakt

von Benno Heisel

Artefakt ist Medientheater für das 21. Jahrhundert. Das alte Genre Schattentheater trifft auf neue Medientechnologien und erkundet das Verhältnis von Körper und Objekt in einer Zeit rasanten technologischen Wandels. Manufaktur und Informationstechnologie verschmelzen und verändern grundlegend die Welt industrieller Produktion. Der 3D-Drucker universalisiert das „Do-it-yourself“-Prinzip und ermöglicht es Designer, Produzent und Konsument in einem zu sein. Durch die Zunahme von virtuellen Realitäten droht aber zugleich die Materialität der Dinge zu verschwinden. Das aufsehenerregende Spiel mit Körper und Schatten, das auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken kann, eröffnet einen Raum der theatralen Reflexion dieser Entwicklungen.
Dafür kehrt Fake to Pretend zu den Anfängen der freien Medienkunst zurück, den ästhetischen Experimenten der Romantik. Achim von Arnims Schattentheaterstoff Das Loch oder Das wiedergefundene Paradies ist hierbei der historische Anknüpfungspunkt. Von ihm aus wird verhandelt, wie die medialen und technologischen Entwicklungen der vergangenen 200 Jahre die Wahrnehmung und das gesellschaftliche Leben verändert haben. Die Performer machen dabei den Bühnenraum zum Labor: ein Artistic-Research mit Schattenkörpern, Laser-Silhouetten und Laterna magica, in dessen Verlauf die Untersuchung der Spiel- und Möglichkeitsräume des Schattentheaters im 21. Jahrhundert bald schon wie eine geisterhafte Séance anmutet. Artefakt knüpft somit auch an ein beinahe vergessenes Kapitel der Münchner Theatergeschichte an, denn Schauplatz dieser Ausgrabung ist der Ort, an dem vor hundert Jahren das letzte eigenständige Schattentheater Europas seine Türen schloss: Schwabing.

Produziert vom RATIONALTHEATER MÜNCHEN e.V.; Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Uraufführung: 11.01.2014 im Rationaltheater, Hesseloherstraße 18, 80802 München
Weitere Vorstellungen: 15. und 17. Januar, 16., 17., 18., 24. und 25. Februar 2014.
12. Oktober 2014 - 20 Uhr im Rahmen des RODEO. Münchner Tanz- und Theaterfestivals

Mit: Henriette Schmidt, Benno Heisel, Ulrich Eisenhofer, Edoardo Colaiacomo
Unter Verwendung von Achim von Arnims Das Loch oder Das wiedergefundene Paradies
Text und künstlerische Leitung: Benno Heisel
Szenografie: Edoardo Colaiacomo, Ulrich Eisenhofer, Benno Heisel
Dramaturgie: Stefanie Fischer, Rose Reiter
Produktionsassistenz: Mira Grötzner

Das 2011 gegründete Kollektiv Fake to Pretend zeigt mit "Artefakt“ einmal mehr, wie Theater rocken kann, wenn es historisch denkt, in entlegenen Wissensgebieten streunt, über Abgründen tanzt und dabei das leidenschafltiche Spielen nicht vergisst. Die Zukunft kann kommen!
Sabine Leucht, Münchner Feuilleton

Das Experiment zwischen Wissenschaft und Kunst eine spannende, unterhaltsame historische Exkursion ... witzig und anspruchsvoll.
Gabriella Lorenz, AZ

Dank einer Fülle von fantastischen Details und der fabelhafen Sprecherin Henriette Schmidt ein köstlicher Theaterspaß.
Süddeutsche Zeitung

Am Ende ist man glücklich und ein wenig schlauer.
Münchner Feuilleton

Die Münchner Künstlergruppe Fake to Pretend versucht sich mit „Artefakt“ im Rationaltheater derzeit spielerisch, aber mit großem intellektuellem Schwung an einem Schattentheater-Stück aus der Zeit der deutschen Hochromantik – als Erstaufführung nach 200 Jahren.
Philipp Bovermann, mucbook

Ein Mitschnitt befindet sich auf Vimeo: https://vimeo.com/113735794

Bei Interesse das Passwort bitte unter erfragen.

Radikal Monument der Verwesung

von Tobias Ginsburg

Wenn alle zugeben, dass es falsch läuft, warum ändert sich dann nichts?

In einem Fernsehstudio, das keines ist, probt ein Talkshowkönig namens Markus Lanz den Aufstand und ein Schauspieler namens Matthias Schweighöfer bewirbt seinen neuen Film: Ein Historienepos über den syrischen Eremiten und späteren Säulenheiligen Symeon. Und auf einmal stehen sie alle im Raum, die ganz großen Fragen! Nach der Ungerechtigkeit der Welt, dem Ausbleiben der Revolution und der verschollenen Radikalität. Schon wird wieder diskutiert. Zwar nicht über Gott und die Welt, dafür aber über den Teufel und die Apokalypse. Lässt sich so die Welt verändern? Verbessern? Oder wenigstens zerstören?
Radikal. Monument der Verwesung ist anarchischer Polittalk, archaisches Bildertheater und eine intensive Auseinandersetzung mit Radikalismus: Eine lyrische Monumentalgroteske zwischen Revolution und Resignation, in der die Mao-Bibel weit weniger zu Wort kommt als das Alte Testament, und die Welt auch nicht dauernd untergehen muss. Die Legende des ersten Säulenheiligen wird zum Dreh- und Angelpunkt für eine tragikomische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Debattenkultur, der Konsensfähigkeit linker Diskurse und der Folgenlosigkeit des Widerstands.


Eine Produktion von Fake to Pretend mit freundlicher Unterstützung der LH München, dem Fonds Darstellende Künste und dem Theaterhaus Berlin Mitte

Premiere (UA): Donnerstag 2. Oktober, 20.30 Uhr, i-camp/neues theater münchen


Mit: Gisa Flake, Philipp Lind, Matthias Renger.
Regie und Text: Tobias Ginsburg
Musik und Dramaturgie: Benno Heisel
Bühne, Video und Licht: Jonas von Ostrowski, Dennis Zyche.
Kostüm: Pascale Martin
Produktionsleitung und Assistenz: Anna Donderer

Nachdem also die Zukunft per se abgeschafft wurde, wir in Richtung Abgrund rasen, gilt es dennoch die Hoffnung auf Alternativen zu nähren. Ein Besuch der empfehlenswerten Inszenierung regt die Eigenproduktion, wie die Verknüpfung bereits vorhandener Chancen im Einzelnen unverhältnismäßig an. Wer morgen mit dabei sein möchte, der nehme einen Platz im Publikum ein.
C.M. Meier, theaterkritiken.com

„Radikal“ beginnt denn auch als Parodie einer Markus-Lanz-Runde, bleibt aber nicht daran hängen, sondern schlägt einen gewagten Bogen zum frühchristlichen Säulenheiligen Simeon, der als Kämpfer für eine gerechtere Welt so sehr verehrt wurde, dass das Volk darüber eigenes Engagement vergaß.
Christoph Leibold, Theater der Zeit


Weltenbrand

von Tobias Ginsburg und Daphne Ebner
Ein Stück über Giftgas, den Ersten Weltkrieg und danach

Ausgezeichnet mit dem JugendStückePreis des Heidelberger Stückemarkts 2015, nominiert für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2014.

100 Jahre Erster Weltkrieg – ein Jubiläum, das man feiern sollte. Aber der Jubilar taucht nicht auf. Was ist passiert? Wo ist der Krieg hin? Sind wir im Zeitalter des andauernden Friedens angekommen oder ist der Krieg nur unsichtbar geworden? Mit dem Theaterstück WELTENBRAND begeben wir uns auf die Suche nach ihm. Ausgangspunkt ist der 22. April 1915, der Tag, an dem die Deutschen mit dem Einsatz von Giftgas die erste Massenvernichtungswaffe in die Welt setzen. Den Krieg gewinnen die Deutschen damit zwar nicht, aber sie verändern für immer sein Antlitz. Vom Ersten Weltkrieg aus folgen wir dem Krieg und seinem Waffenarsenal, folgen dem Giftgas auf seiner unheilvollen Reise rund um den Globus: Es trifft auf deutsche Genies und marokkanische Rebellen, selbstmörderische Hausfrauen und afrikanische Kaiser. Es legt sich sogar mit echten Westernhelden an. Und es hört nicht auf zu reisen. Von den Schützengräben zu den vergessenen Kolonial- und Vernichtungskriegen der 20er und 30er Jahre bis zu den jüngsten Verbrechen in Syrien: Deutschland bleibt Exportweltmeister.
WELTENBRAND erzählt von Massenvernichtungswaffen, von Giftgas, Bomben und Exporten, und von den Menschen dazwischen. Und es wirft Fragen auf: Kann es eine humane Waffe geben? Gibt es eine Waffe, die so mächtig ist, dass sie den Krieg ein für allemal beenden kann? Wenn die Waffen unsichtbar werden, verschwinden dann auch die Kriege, die Täter und die Opfer? Wo ist der Krieg hin?

Eine Produktion der Schauburg mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München

Premiere am 09. Januar 2014 in der Schauburg München

Regie: Tobias Ginsburg
Dramaturgie: Daphne Ebner
Bühne/Video: Jonas von Ostrowski, Dennis Zyche
Kostüme: Pascale Martin
Musik/Sounddesign: Taison Heiß
Es spielen: Regina Speiseder
Lucca Züchner
Dan Glazer
Taison Heiß
Thorsten Krohn
Peter Wolter

Ausgezeichnet mit TZ-Rose und AZ-Stern der Woche

Klüger wurde auf der Bühne selten über Krieg nachgedacht.
Robert Braunmüller, AZ

Starker, harter Tobak. Das erstaunliche ist, dass es Ginsburg mit seinem jungen Team gelingt, aus dem Stoff Theaterfunken zu schlagen.
Beate Keyser, TZ

Zwingend öffnet sich jene Welt, die von der Logik des Tötens ausgeht. Das 100-Minuten-Stück hält die Balance zwischen Travestie und Ernst, putzigem Konfettiwerfen und bedrückenden Propaganda-Worthülsen. Ein gelungener, griffiger Abend über flüchtige Gase.
Sabine Busch-Frank, Donaukurier

Mit Verve ringen die Darsteller um das Thema, ohne Betroffenheitssound – unter die schrecklichsten Fakten mischt sich nicht selten der (Irr-)Witz Unbekanntes und Vergessenes wird ins Bewusstsein zurückgerufen, die 100 pausenlosen Minuten geben einen wahrhaft interessanten Abend, der Aufklärung und Information schafft.
Peter Eidenberger, inMünchen

Im kalkweißen runden Versuchslabor - und genau deshalb muss man sich das Stück ansehen – werden die ungeheure Heimtücke, das furchtbare Ersticken, die Verätzungen der Schleimhäute, die eigentlich nicht zu beschreibenden Verbrennungsschmerzen von Zehntausenden von Menschen viel tiefer begreifbar als auf den jüngsten furchtbaren, dennoch abstrakt bleibenden Fernsehbildern über den syrischen Giftgaseinsatz.
Malve Gradinger, Münchner Merkur

Die nötige Komödie

von Benno Heisel und Ulrich Eisenhofer

Ein komischer Abend über den Humor? Geht das? Ja. Geht. Muss sogar sein. Nichts definiert Gruppen und Individuen schneller und klarer als das Lachen, bezieht ein oder schließt aus. So verleiht der Humor der Kunst und der Politik ihre größte Kraft oder widersetzt sich jeder Inanspruchnahme. Gerade was die deutsche Vergangenheit und Gegenwart betrifft, lässt sich davon manches Lied singen.
Die nötige Komödie ist ein musikalischer Trip durch die Abgründe der heutigen Humorlandschaft und ihrer Geschichte, erzählt als eine Wanderung vom Inferno bis ins Paradies, vom ältesten überlieferten Witz der Welt bis zum Internet-Mem, vom rauen Chanson bis zur filigranen Elektronik. Böse, albern, kunstvoll.

Produziert in der Reihe EigenArten der Theaterakademie August Everding mit Unterstützung der Richard-Stury-Stiftung


Vorstellungen: am 18.-21. Mai 2013 und 17., 18., 19., und 21. Juni 2013 im Rationaltheater München

Regie: Ulrich Eisenhofer
Text und Musik: Benno Heisel
Dramaturgie: Adrian Herrmann, Stephanie Preuß
Bühnenbild: Edoardo Colaiacomo
Kostüm: Clemens Lehmann
Regieassistenz: Christian Gnasmüller

Mit: Julia Bachmann, Franz Furtner, Kathrin Hanak, Benno Heisel

Schon mal gehört: Chansons über synchronisierte Filme, den einsamen Herrn Google oder Political Correctness? Schon mal genossen: eine Koch-Show, in der live nicht nur 'Luftspeise', sondern auch eine veritable 'Fleischplastik' produziert wird? Schon mal gesehen: einen Film, in dem über der Münchner Viscardigasse Arme im Hitlergruß schweben? All das, ja eigentlich Stoff für mehrere experimentelle Theaterabende, bietet das neue Projekt der Reihe 'EigenArten' diesmal unter dem Titel 'Die nötige Komödie'.
brw, Münchner Feuilleton

ein intellektuelles Feuerwerk mit geistreichen, witzig subversiven Texten und großem Unterhaltungswert. Die Leuchtkraft dieses funkensprühenden Kreisels wandelt sich mal in satirisch treffende, dann wieder melancholisch komische Lieder, krumme Auftritte und Einlagen aller Art. Da treffen wir zum Beispiel „Lonesome George“, die letzte Schildkröte ihrer Art, die sich partout fortzupflanzen weigert; die zum Gedenken an die Nazi-Zeit oberflächlich golden glänzende Drückebergergasse in München, in der es eine Bar gibt, „von der du willst, dass es sie gibt, wenn du sie kennst“; einen sprachartistisch kalauernden Barkeeper; und Beatrice, die eine „Fleischplastik“ baut, als duftende negative Inkarnation des Plastikfleischs der Kulturindustrie – und ein Ende, das gibt es auch.
In einem gemalten Sternenhimmel, mit der himmlisch oder höllisch simplen Bitte, alles möge brennen, und zwar „mit oder ohne Sinn“, so weit ist es schon gekommen. Nämlich über die Pointe hinaus. Die kam schon vorher. „Ist auch egal jetzt“, singt die Namenlose, die hier den Clown gibt, und sie hat Recht: „Die nötige Komödie“ ist großes Theater – verstörend, betörend, anregend.
Phillip Bovermann, mucbook

Ein Mitschnitt befindet sich auf Vimeo: https://vimeo.com/110697147

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Endlich

von Tobias Ginsburg

Nichts auf der Welt ist so sicher wie der Tod. Und nichts birgt so eine große Unsicherheit. Denn weder wissen wir, wann es soweit sein wird und wir gehen müssen, noch wohin. Der Tod der Anderen umgibt uns und belehrt uns, dass wir alle endlich sind. Das erfahren wir beim Tode der Großeltern, Eltern, Geschwister und Freunde, aus der Zeitung und dem Fernsehen. 150.000 Menschen sterben jeden Tag. Dennoch ist der eigene Tod unvorstellbar, eine Frechheit, ein Skandalon. Unser Tod ist also das einzige große Thema, das eigentlich gar keines ist. Wir können unseren Tod weder denken noch besiegen, höchstens verdrängen. Im Grunde lässt sich nichts mit Sicherheit über den Tod sagen, was uns aber nicht daran hindert, ständig von ihm zu sprechen. Und es scheint, als ob der Tod nicht nur gesprächig macht, sondern auch selbst spricht: Religionen machen ihn zum Mittelpunkt ihrer Lehre, er gibt Auskunft über vergangene Zeiten und Kulturen, und wirkt als der eigentliche Begründer der Kultur.
Ausgehend von diesen Gedanken begibt sich das junge Ensemble gemeinsam auf eine Recherchereise durch die ganze Republik. In Gesprächen mit Sterbebegleitern, Seelsorgern und Bestattern, Biologen und Gerontologen, Immortalisten und Geisterbeschwörern gehen wir dabei den großen Fragen nach dem Tod nach: Wie soll oder kann man mit der eigenen Endlichkeit umgehen? Und was bedeutet der jeweilige Umgang für unsere Gesellschaft? Die dutzenden Stunden Interviewmaterial und nicht weniger als die gesamte menschliche Kulturgeschichte bieten die Grundlage für die Stückentwicklung ENDLICH.

Eine Produktion der Schauburg München in der Reihe NEXT GENERATION.

Premiere am 01. Juni 2012 in der Schaburg München

Mit: Philipp Lind & Matthias Renger
Text und Regie: Tobias Ginsburg
Dramaturgie: Adrian Herrmann
Bühne: Jonas von Ostrowski
Videoinstallation: Dennis Zyche
Kostüm: Bettina Kirmair
Regieassistenz & Produktionsleitung: Jeannine Koda

Ausgezeichnet mit dem AZ-Stern der Woche

Eikleines Meisterwerk, das ebenso leichtfüßig daherkommt wie es tief in die emotionale Substanz des Zuschauers trifft. Raffiniert verspielt fädeln Philipp Lind und Matthas Renger eine Plauderei über zwei andere junge Männer ein, die im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung lebten: König Gilgamesch und sein bester Freund Enkidu. Ohne jeden Anflug von Gefühlsduselei gelingt es, die schmerzvolle Lähmung durch den Verlust eines nahestehenden Menschen fast fühlbar in den kleinen Raum zu stellen. Lind und Renger beschreiben unerschrocken das Unbeschreibliche. Das Publikum verließ die Premiere schweigend, und wer redete, flüsterte nur.
Abendzeitung, Matthias Hejny

Auf der intimen Bühne der Schauburg springen die jungen Schauspieler Philipp Lind und Matthias Renger momentweise in Rollen, ironisieren die (pathetischen) Aktionen des jeweils Anderen, ducken sich urkomisch vor der Verantwortung für eine Szene hinweg oder räsonieren über die Ungerechtigkeit des Todes oder den Fortgang des Abends. Und vor allem der wirklich große Schluss, der den Traum vom ewigen Leben mit der Monotonie des Speise- und Aktivitätenplans im Altersheim kurzschließt: Beklemmend und leicht!
Sabine Leucht, Süddeutsche Zeitung

Genau so, ohne pädagogische Zentnergewichte muss man’s machen, wenn man bei (jungem) Publikum das Thema aus der Verdrängung hervorholen möchte. Eine exzellente Leistung.
Malve Gradinger, Münchner Merkur

Wer den Tod nicht fürchtet und seiner eigenen Erzählung ein Kapitel hinzufügen möchte, sollte sich die Gelegenheiten nicht entgehen lassen.
Markus Michalek, Mucbook

Alienation

von Benno Heisel

Eine Frau strandet auf einer düsteren Welt, in einer reinen Männerkolonie. Überall lauern Gefahren, von außen wie von innen. Denn mit ihr ist noch etwas anderes auf diesem mysteriösen Planeten gelandet. Nach den Regeln der Science Fiction muss sie sich entscheiden: Werde ich Opfer oder Heldin? In „Alienation“ versucht eine Schauspielerin diese Geschichte weiblicher Selbstbehauptung zu erzählen – auch gegen die Regeln des Genres. Sie ist umgeben von einer Theatermaschine, die Mittel und Gegner zugleich ist. Ein Kampf mit und gegen den Strom der Bilder, Klänge und Medien entspinnt sich.
„Alienation“ ist ein multimediales Schattentheater, das moderne Mythen von Weiblichkeit, Geschlechterrollen und Gewalt erforscht. Historisch betrachtet war Schattentheater ein Medium, um Erzählungen vom Unheimlichen, Uneigentlichen und Unendlichen erfahrbar zu machen. Fake to Pretend wagt ein Experiment, das Altes und Neues zusammenbringt: Schattentheater und technischvisuelle Innovationen.

Premiere am 1.6.2012 um 19:30 Uhr in der Schauburg München
Weitere Vorstellungen am 2. und 3. Juni 2012 um 19:30 Uhr

Mit: Gisa Flake, Jaime Villalba-Sánchez, Franz Furtner
Text und Regie: Benno Heisel
Dramaturgie und Mitarbeit, Text: Simone Niehoff, Tobias Ginsburg
Bühne: Stefan Britze
Videoinstallation: Ulrich Eisenhofer
Musik: Beni Brachtel
Lichtdesign: Charlotte Marr
Maske: Bianca Bättig, Alisza Pfeifer
Produktionsleitung: Tobias Ginsburg
Regieassistenz: Johanna Mangold
Bühnenbildassistenz: Christof Bühler


Ein Mitschnitt ist auf Vimeo zu finden: https://vimeo.com/110697148

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Tabu

von Daphne Ebner und Tobias Ginsburg

Immer wieder treten bestimmte Akteure in den Mittelpunkt des politischen Diskurses, die sich als Märtyrer der Meinungsfreiheit gerieren. Ob Jürgen Möllemann oder Günter Grass, Eva Herrmann oder Thilo Sarrazin: Sie alle wollen Deutschland von Tabus befreien und das sagen, „was endlich gesagt werden muss“. Um genau diese heroische Pose der selbst ernannten Tabubrecher geht es in der Performance TABU! Die elendigen Debatten über Tabuisierungen und Enttabuisierungen, Tabuvorwürfe und Tabubrüche werden zu einem Gesellschaftsspiel umgebaut, wobei der Unterschied von Debatte zu Spiel nicht besonders groß zu sein scheint – Politischer Diskurs wird zur Gameshow. Die Schauspieler treten dazu in zwei Gruppen mit der simplen Aufgabe gegeneinander an, das Publikum Begriffe erraten zu lassen: von Blackface bis Zigeunerschnitzel, von Kopftuchmädchen bis Antisemitismuskeule. Ob diese Begriffe nun wirklich oder nur vermeintlich tabuisiert sind, ist für die Punktevergabe entscheidend. Also wird die Stimmung immer angespannter, das Spiel immer aggressiver, das linke vom rechten Team irgendwann kaum noch unterscheidbar. Und schlussendlich gilt wie im echten Leben die Regel: Der lauteste Diskursteilnehmer gewinnt. Abhilfe verschaffen da glücklicherweise die Freigetränke und die kleine Musicaleinlage aus den jüngsten Gedichten von Günter Grass.


Eine Performance im Rahmen der Plattform für performative Befindlichkeiten in der gesellschaftspolitischen Aktion des Pathos München

Samstag, 16. Juni 2012, 21.00 Uhr im Schwere Reiter

Darsteller: Ines Hollinger, Bettina Kirmair, Susanne Lemke, Linda Löbel, Patrick Nellessen, Anton Schneider, Jaime Villalba Sanchez
Konzept und Inszenierung: Daphne Ebner & Tobias Ginsburg
Bühne: Linda Sollacher
Musik: Benno Heisel

Malinche

Ein Projekt von Daphne Ebner, Benno Heisel und Simone Niehoff

Die spanisch-deutsche Produktion Malinche - ein Herrenabend erzählt die Geschichte der Eroberung Mexikos mit dem Fokus auf ihre vielleicht kontroverseste Randfigur neu.
Malinche ist die Übersetzerin und Geliebte des spanischen Konquistadoren Hernán Cortés. Im Gegensatz zu den berühmten Entdecker- und Erobererpersönlichkeiten ist ihre Rolle innerhalb der offiziellen, spanischen Geschichtsschreibung jedoch verschwindend gering. In der linearen Geschichte der Eroberung tauchen nur vereinzelt Hinweise auf ihre Biografie auf, die sie zur mehrsprachigen Vermittlerin zwischen den Kulturen macht: Von einem aztekischen Stamm wird sie Majas übergeben und von diesen wiederum Cortés geschenkt. 500 Jahre nach der Konquista wird sie heute als Vorreiterin der Globalisierung gefeiert, aber auch als Volks-Verräterin gehasst, die es den Spaniern erst möglich gemacht hat, Mexiko zu erobern.

Die Überschreibung der historischen Figur Malinche durch den dezidiert männlichen Blick der Geschichtsschreiber und das Motiv der Frau als Verräterin als Inbegriff der Urschande stehen im Zentrum des Abends. Bild- und Schriftprojektionen interagieren mit den Schauspielerkörpern und erzeugen Überschreibungen und Übertragungen zwischen Sprache, Projektionen und Körperlichkeit.

Eine Produktion in der Reihe EigenArten der Theaterakademie August Everding

Premiere am 12.5.2011 im Akademietheater Ost
26.7.2011: Young actors week des Mozarteums Salzburg (AT)
6.10.2011: Baltic House Festival St. Petersburg (RU) 
Ermöglicht durch die Unterstützung der Richard Stury Stiftung und des Goethe-Instituts
21.1.2012: Lateinamerikawoche Nürnberg
26./27.1.2013: Akademiestudio des Prinzregententheaters, Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft
6.10.2013: Herzogenauracher Kulturtage 2013

Konzeptionsteam: Daphne Ebner, Benno Heisel, Simone Niehoff
Darsteller: Nahuel Häfliger, Jaime / Jaume Villalba-Sánchez, Benno Heisel
Regie: Daphne Ebner
Dramaturgie, Bildkonzeption: Simone Niehoff
Musik, Choreographie: Benno Heisel
Bühne und Kostüm: Stefan Britze
Maske: Bianca Bättig, Alisza Pfeifer
Produktionsassistenz: Judith Städele
Pressefotos: Jana Erb
Trailer: Dennis Zyche

Rein inhaltlich harter Tobak. Aber welch ein Theatervergnügen bereitete diese Performance! Wie da mit virtuosem Dilettantismus eine reißerische TV-Doku über Malinche auf die Bühne gezaubert wurde; wie die Schauspieler in spanischdeutschem Sprachkuddelmuddel um Deutungshoheit rangen – das nahm einen auf Anhieb ein und überzeugte als „ästhetisches Experiment“, dem sich Fake to Pretend verschrieben haben, ohne es als Selbstzweck zu begreifen.
Christoph Leibold, Theater der Zeit

Ein abgründig kess-frecher Abend

Wolf-Dieter Peter, Bayerische Staatszeitung

Sehr gelungener Auftakt: Mit „Malinche“ liefert die Gruppe „Fake to Pretend“ einen vielschichtigen, facettenreichen, schwierigen und dennoch sehr unterhaltsamen Einstand ab. Ein unterhaltsamer, aber kein leichter Abend eben, so wie Theater eigentlich sein soll. Diese "Malinche" wäre vermutlich eine Empfehlung für „Radikal Jung“, das Festival der jungen Regisseure am Volkstheater.
Michael Weiser, Kultur-Vollzug

Tollkühn wird dieses bilderstarke und sehr körperliche Dokumentarspiel nicht durch die Gräuel der mittelamerikanischen Kolonialgeschichte, sondern mit den erzählerischen Loopings, die sich über dem Sumpf barbarischer Eroberung erheben: Das Leben der jungen Indianerin ist eine Steilvorlage für eine böse Satire auf den Zusammenhang von Machismo, Sex und Politik.
Mathias Hejny, Abendzeitung
Ein Mitschnitt ist auf Vimeo zu finden: https://vimeo.com/110697149

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Nestbeschmutzung

Ein Dokumentartheaterstück von Tobias Ginsburg, Ute Gröbel und Raphael Mühlhölzer

Das Theaterstück Nestbeschmutzung untersucht die Abgründe deutscher Familiengeschichte. Raphael Dwinger begibt sich auf die Spuren seines Großvaters Edwin Erich Dwinger. Dieser war Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg, Bestsellerautor im Dritten Reich und Propagandaschriftsteller von Goebbels und Himmlers Gnaden.
Eineinhalb Jahre arbeitet er mit dem Regisseur Tobias Ginsburg und seinem Team über Edwin Erich Dwinger, über Schuld und Verantwortung, Täter- und Opferschaft in der eigenen Familie. Aus den Ergebnissen dieser Recherche – mehreren hundert Stunden Interviews, NS-Literatur und anderem historischen Bild- und Textmaterial – entstand ein dokumentarischer Theaterabend.

In Zusammenarbeit mit der SchauBurg - Theater der Jugend München, der Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München mit freundlicher Unterstützung vom Kulturreferat der Stadt München, der Stadtsparkassen-Stiftung und dem Fritz Bauer Institut für Holocaustforschung.

Die Premiere fand am 26. April 2011 in der Reaktorhalle München statt.
Wiederaufnahme am 27. Januar 2012 in der Schauburg München

Konzept: Raphael Dwinger und Tobias Ginsburg
Text: Tobias Ginsburg, Ute Gröbel, Raphael Mühlhölzer
Regie: Tobias Ginsburg
Bühne: Jil Bertermann, Eva Veronica Born
Kostüm: Pascale Martin
Dramaturgie: Ute Gröbel, Raphael Mühlhölzer
Video: Dennis Zyche
Produktionsleitung: Jeannine Koda
Assistenz: Linda Sollacher
Wissenschaftliche Beratung: Dr. Georg Wurzer
Es spielen: Léonie Thelen, Wolfgang Cerny, Matthias Renger, Anton Schneider

Ein starkes Dokudrama in der Reaktorhalle.
Was sie in anderthalb Jahren akribischer Recherche und unzähligen Interviews zu Tage brachten, drückt verdammt in die Gegenwart hinein. Ein starker Abend, ein Muss!
Eva Elisabeth Fischer, Süddeutsche Zeitung

Herausgekommen ist ein fantastischer Theaterabend - schockierend, berührend, unangenehm und unglaublich ehrlich.
Hannah Schopf, Radio M94.5

Tobias Ginsburg hat an der Schauburg mit 'Nestbeschmutzung' einen so gelungenen wie wichtigen Abend inszeniert.
Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung